Asperger-Autismus – Die harte Arbeit normal zu wirken

Asperger-Autismus – Die harte Arbeit normal zu wirken

Seit ein bis zwei Jahren beschäftige ich ( Joe ) mich intensiv mit Autismus, insbesondere dem Asperger-Variante. Ich habe erkannt, dass viele Beschreibungen aus Webseiten und Podcasts von Asperger-Autisten erstaunlich genau mein eigenes Erleben widerspiegeln – sowohl in Bezug auf die Wahrnehmung der Welt um mich herum als auch auf mich selbst.
Warum aber mache ich das hier öffentlich?
Warum behalte ich es nicht einfach für mich?
Es ist für beide Seiten anfangs eine kleine Hürde, es kann aber auch zur Verbesserung der Beziehung und zum Vermeiden von Missverständnissen und Konflikten führen.

Zusammenfassung des Textes : 

Im Jahr 2023 erkannte ich durch einen Podcast mit Joscha Bach, dass ich Asperger-Autist bin. Diese Erkenntnis war ein bedeutender Schritt in meiner persönlichen Entwicklung, der jedoch erst durch eine tiefgehende Lebenskrise möglich wurde. Der geplante Aufbau eines Retreatzentrums scheiterte, ich musste mein Grundstück verkaufen, und eine langjährige Beziehung zerbrach. Diese äußeren Umstände führten bei mir zu Erschöpfung und zu einer Auflösung meines sozialen Anpassungsverhaltens („Masking“).

Auf dem New Healing Festival reflektierte ich über meine Schwierigkeiten in sozialen Interaktionen, was mich dazu brachte, mich intensiver mit Asperger-Autismus zu beschäftigen. Im Dezember 2024 sprach ich zum ersten Mal offen darüber – mit durchwachsenen Reaktionen.

Ich erkenne bei mir typische Asperger-Merkmale, wie

  • Starkes Camouflaging / Masking Sie imitieren neurotypische soziale Verhaltensweisen sehr gut (Augenkontakt, Smalltalk, Mimik, Stimme), wirken oft charmant oder kompetent. Dies gelingt durch bewusste Analyse und jahrelanges Training, kostet aber massiv Energie und führt zu Erschöpfung nach sozialen Situationen.
  • Intensive, einschränkende Spezialinteressen Es gibt ein oder mehrere Themen, in die extrem tief und ausdauernd eingetaucht wird (oft seit Kindheit). Diese Interessen dominieren Denken, Freizeit und Gesprächsthemen und dienen als primäre Regulations- und Energiequelle.
  • Atypische soziale Motivation und Verarbeitung Schwierigkeiten mit impliziten sozialen Regeln, Nuancen und „unwritten rules“. Bevorzugung tiefer, authentischer Gespräche statt Smalltalk. Oft spätes Verstehen eigener oder fremder Emotionen (Alexithymie) und das Gefühl, „die Regeln der Menschen studiert, aber nie wirklich verinnerlicht“ zu haben.
  • Monotropie + hohe kognitive Leistungsfähigkeit mit Burnout-Neigung Laserartige Fokussierung auf eine Sache bei gleichzeitiger Schwierigkeit mit Multitasking und Wechseln. Kombiniert mit hoher Intelligenz und Perfektionismus führt dies zu herausragenden Leistungen – aber auch zu wiederkehrenden Phasen von Autistic Burnout, Depression oder totaler Erschöpfung nach Überforderung.