Adam und Eva sind 800 Jahre älter als die Bibel

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In Schrifttafeln aus der bronzezeitlichen Metropole Ugarit haben niederländische Forscher eine Urversion von Adam und Eva entdeckt. Ein böser Gott in Schlangengestalt raubt ihnen die Unsterblichkeit. Von Christian Frey

Foto: picture-alliance / akg-images Eine Tafel aus dem nordsyrischen Ugarit berichtet vom guten Gott El, seiner Frau Asherah und dem bösen Gott Horon, der sie in Gestalt einer Schlange angreift. Die Parallelen zu Adam und Eva (hier nach Lucas Cranach d. Ä.) liegen auf der Hand

Dass das Alte Testament keineswegs eine homogene Erzählung ist, sondern aus zahlreichen mündlichen und schriftlichen Vorlagen kompiliert und wiederholt redaktionell überarbeitet wurde, hat die Theologie mit der historisch-kritischen Methode seit dem 18. Jahrhundert deutlich gemacht. Eines der bekanntesten Beispiele ist die Erzählung der Sintflut, die bis ins Detail mit Passagen aus dem altorientalischen Gilgamesch-Epos übereinstimmt.

Jetzt haben zwei niederländische Wissenschaftler offenbar die Urversion der Schöpfungsgeschichte entdeckt. Wie die Alttestamentlerin Marjo Korpel und der Altorientalist Johannes de Moor von der Protestantischen Theologischen Universität Amsterdam in ihrem neuen Buch „Adam, Eve and the Devil“ berichten, wurde die Erzählung in der nordsyrischen Hafenstadt Ugarit aufgezeichnet.

Dieser reiche Stadtstaat wurde um 1200 v. Chr. von Invasoren, möglicherweise den sogenannten Seevölkern, vernichtet. In den Ruinen entdeckten Archäologen um 1928 zahlreiche Schrifttafeln. In einer semitischen Sprache geschrieben, markieren sie den Übergang von der Silbenschrift zur Alphabetschrift, aus der dann das Phönizische und später noch das Griechische hervorgehen sollten.

Zahlreiche Texte aus Ugarit enthalten Mythen und sagenhafte Erzählungen, die von Korpel und de Moor neu übersetzt und erstmals im Zusammenhang interpretiert wurden. Dabei stießen die Forscher auf einen Text aus dem 13. Jahrhundert, in dem ein Gott mit einem bösen Widersacher kämpft.

El soll die Menschheit retten

Der gute Schöpfergott El lebt mit seiner Frau Asherah in einem paradiesischen Garten. Ungemach kommt mit dem bösen Gott Horon, der vom Berg der Götter verbannt wurde und auf Rache sinnt. Dafür verwandelt er den Baum des Lebens, der in Els Garten steht, in einen Baum des Todes und verhüllt die Welt mit giftigem Nebel.

Als El das Leben auf der Erde erneuern will, stellt sich ihm Horon in Form einer großen Schlange in den Weg. Ihr Biss nimmt El die Unsterblichkeit. Indem El aber mit seiner „guten Frau“ Nachkommen zeugt, überwindet er den Fluch und gewinnt eine Art von Unsterblichkeit zurück.

El alias Adam war in dieser Urversion also zunächst eine Gottheit. „In dieser Urversion trägt auch Eva keinerlei Schuld“, erklärt Marjo Korpel. Bibelforscher waren bereits lange davon überzeugt, dass der biblischen Schöpfungsgeschichte von Adam und Eva ein älterer Mythos zugrunde liegt. Nur fehlte ein schriftlicher Beweis dafür.

Auf eine Verbindung zum altorientalischen Mythenkreis Mesopotamiens verweist auch der Wohnort von Adam und Eva in der Ugarit-Version. Ihr Paradies liegt an den Hängen des Berges Ararat, auf dem nach dem Alten Testament die Arche Noahs nach der Sintflut landet. Bevor es so weit ist, lässt Noah mehrmals Tauben aufsteigen, die nach trockenem Land Ausschau halten sollen.

Zwei Schöpfungsberichte der Bibel

Exakt das gleiche Verfahren wählt der Schiffer Uta-napischti im Gilgamesch-Epos, als er mit den Tieren, die er vor der großen Flut gerettet hat, auf dem Wasser dahin irrt. Die ältesten Varianten des Epos werden ins 3., die Gesamtkomposition ins 2. Jahrtausend v. Chr. datiert.

Auch die Themen zeigen Parallelen: Gilgamesch erkennt am Ende seine Sterblichkeit und beginnt, „den Tod zu fürchten“. Damit aber findet er seine moralische Bestimmung: für die Menschen seiner Stadt zu sorgen. Auch die sterblich gewordenen Adam und Eva müssen lernen, sich in der Welt einzurichten.

Mittlerweile gehen Bibelforscher davon aus, dass die Endredaktion des Alten Testaments im 5./4. Jahrhundert v. Chr. erfolgte. Wie sicher die Vorlagen für die ältesten Teile – die fünf Bücher Mose und die Psalmen – sind, ist eine ungeklärte Frage. Immer mehr Wissenschaftler erklären das Reich von David und Salomo für eine Erfindung und können dies mit guten archäologischen Argumenten begründen. Andere wollen an der Historizität der Bibel so weit wie möglich festhalten.

Wenn die Deutung von Korpel und de Moor Bestand hat, läge ein weiteres Beispiel dafür vor, wie ein altorientalischer Mythos Eingang in die Bibel gefunden hat. Dass diese sich aus zahlreichen Quellen speist, zeigt allein schon die Tatsache, dass das Alte Testament neben der Geschichte von Adam und Eva mit einem weiteren Schöpfungsbericht aufwartet: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.